Universität

Hauptgebäude Uni-Liebenbergdenkmal
Hauptgebäude der Universität mit Liebenbergdenkmal, Ansichtskarte, um 1935
PAG Wien Verlag | Wien Museum, Inv.-Nr. 306977/3

Das Klima an der Universität Wien war in der Ersten Republik – mit wenigen Ausnahmen – von wachsendem Antisemitismus und einem Weltanschauungskampf gegen Liberalismus und Sozialismus gekennzeichnet. Das zeigte sich im Programm der Lehrveranstaltungen und in einer feindseligen Personalpolitik. Für den Wiener Kreis mit seiner antimetaphysischen Philosophie, liberalen bis linken Haltung, internationalen Ausrichtung und starken Präsenz jüdischer Mitglieder bildete die Universität deshalb einen prekären Ort. Neben Moritz Schlick hatten nur die Mathematiker Hans Hahn und Karl Menger eine Professur inne. Im Hauptgebäude am Ring hatte das Philosophische Dekanat seinen Sitz und Schlick hielt in den Hörsälen Vorlesungen ab. Bei seiner Ermordung am 22. Juni 1936 auf der Philosophenstiege war er auf dem Weg zur letzten Vorlesung vor den Sommerferien.

Antisemitisches Plakat der Deutschen Studentenschaft, um 1930
Neben antisemitischer Agitation durch katholisch-nationale und deutschnationale Studierende kam es an der Universität vor allem durch nationalsozialistische Studenten in den 1930er-Jahren immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen.

WBR, P-246209

Seminarraum der Paläobiologie, die „Bärenhöhle“, 1928
Ein antisemitisches Netzwerk von Professoren an der Universität Wien, benannt nach seinem Treffpunkt „Bärenhöhle“, verhinderte Habilitationen und Berufungen von jüdischen und als links geltenden Wissenschaftler:innen.

Foto: unbekannt
Aus: Die Universität Wien. Ihre Geschichte, ihre Institute und Einrichtungen, hrsg. vom akademischen Senat, Düsseldorf, F. Lindner, 1929
WBR, B-75129

Rektor Hans Uebersberger mit NS-Studenten auf der Uni-Rampe, 1931
Mit der Studentenordnung von Rektor Wenzel Gleispach sollten die jüdischen Studierenden an der Universität diskriminiert werden. Nach Aufhebung der Ordnung durch den Verfassungsgerichthof am 23. Juni 1931 riefen nationalsozialistische Studenten zu einem Fackelzug auf. An ihm nahmen unter anderem Gleispach und sein Nachfolger Hans Uebersberger (Bildmitte) teil.

Foto: Leo Ernst – Albert Hilscher
ÖNB, H 777-B

Seite aus dem Manuskript von Moritz Schlicks Antrittsvorlesung, 1922
Schlick nahm zu Beginn seiner Antrittsvorlesung Bezug auf Ludwig Boltzmann und Ernst Mach, den geistigen Vorgängern auf seinem Lehrstuhl.

Sammlung Van de Velde-Schlick
North Holland Archives / Wiener Kreis (373), inventory number 907

Dankesbrief des Wiener Kreises an Moritz Schlick nach seinem Entschluss, in Wien zu bleiben, 13.06.1929

North Holland Archives / Wiener Kreis (373), inventory number 907

Die Philosophenstiege im Hauptgebäude der Universität Wien am Ring, um 1890

Aus: Ansichten von Wien, Verlag der Central-Buchhandlung Max Herzig Wien, o.J.
Foto: E. Jaffé und A. Albert
Wien Museum, Inv.-Nr. 48736/53

Illustration zum Mord an Moritz Schlick

Aus: Illustrierte Kronen-Zeitung, 23.6.1936
Illustration: unbekannt
WBR, F-74487

„Der Fall des Wiener Professors Schlick – eine Mahnung zur Gewissenserforschung“
Unter dem Pseudonym „Prof. Austriacus“ wies der Staatswissenschafter Johannes Sauter in einer katholischen Wochenschrift Schlick selbst die Schuld für dessen Ermordung zu. Er habe mit seiner antimetaphysischen Philosophie christlich-deutsche Werte verletzt und die studierende Jugend aufgewühlt. Eine Parallele zu Sokrates drängt sich auf.

Aus: Schönere Zukunft, Nr. 41, XI. Jg., 11.7.1936
WBR, B-72742

Dominik Castell (R), A Private Investigation. The Case Moritz Schlick. Mit Patti Smith (A 2006)
Die amerikanische Singer-Songwriterin Patti Smith beschäftigte sich bei ihren Wien-Besuchen wiederholt mit Wittgenstein und dem Wiener Kreis. In diesem Film meditiert sie am Ort der Ermordung Moritz Schlicks.

Regie: Dominik Castell
Schnitt und Postproduktion: Carlo Pelikan
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