Rathaus
Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum
Als Sitz der Stadtregierung und -verwaltung des Roten Wien bildete das Rathaus einen wichtigen Bezugspunkt für den Wiener Kreis – inhaltlich wie räumlich. Inhaltlich zeigte sich die Beziehung am Mitwirken an der Schulreform und Volksbildung wie auch am Einfluss des Logischen Empirismus auf den Austromarxismus und die sozialdemokratische Bildungsarbeit. Räumlich manifestierte sie sich in der Einrichtung der Dauerausstellung des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums in der Volkshalle im Jahr 1927. Mit dem Museum konnte die von Otto Neurath und seinem Team entwickelte Wiener Methode der Bildstatistik in großem Rahmen um- und eingesetzt werden. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge leicht verständlich zu vermitteln, war das Ziel. Gleichzeitig konnten auch die sozialen Errungenschaften der Wiener Stadtpolitik kommuniziert werden. Im Februar 1934 endete diese Erfolgsgeschichte: Der Austrofaschismus verbot den Trägerverein und schloss das Museum, die wesentlichen Proponent:innen des Teams um Direktor Otto Neurath mit Marie Reidemeister und Gerd Arntz flüchteten.
Plakat der Kleingarten-Siedlungs- und Wohnbau-Ausstellung im Rathaus und auf dem Rathausplatz, 1923
Diese Ausstellung zeigte Modellhäuser unter anderem von Josef Frank und Margarete Schütte-Lihotzky. Sie arbeitete außerdem mit einer von Neurath angeleiteten grafischen Aufbereitung statistischer Daten – wie später das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum.
Josef Frank, um 1930
Der Architekt Josef Frank (1885–1967) engagierte sich in der Siedlerbewegung und war Initiator sowie Leiter der Werkbundsiedlung. Er arbeitete eng mit Neurath zusammen und gestaltete die Architektur des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums. 1933 emigrierte er nach Schweden, 1942 nach New York.
ÖNB/Wien: Pf 31.938 : C (1)
Ausstellung des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums, 1926
Wirtschafts- und Gesellschaftsmuseum, INV-00184-091
Besucher in einer Ausstellung, 1927
Wirtschafts- und Gesellschaftsmuseum, INV-00184-054
Franz Roh kommt an, wohnt bei mir. Logik gearbeitet. Abends mit Franz und Neuraths bei zu Weingart. Spät nachts zeigt Neurath noch die Museen im Rathaus und Parkring.
Carnap-Tagebuch, 30.5.1933
Zeitungsartikel über das Museum
Von 1927 bis zum Februar 1934 befand sich in der Volkshalle die Dauerausstellung des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums. Mittels Bildstatistik wurden wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge anschaulich vermittelt.
WBR, F-24603
Eine neue Volksbildungseinrichtung
Das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien betrieb mehrere Außenstellen: im Gartenbau-Gebäude, in einem Haus der Wiener Städtischen Versicherung und im Gemeindebau Fuchsenfelderhof.
WBR, B-65734
Gesellschaft und Wirtschaft. Bildstatistisches Elementarwerk.
Gesellschaft und Wirtschaft. Bildstatistisches Elementarwerk.
Das Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien zeigt in 100 farbigen Bildtafeln Produktionsformen, Gesellschaftsordnungen, Kulturstufen, Lebenshaltungen, Leipzig, Bibliographisches Institut 1930
Dieses in kleiner Auflage aufwändig produzierte Mappenwerk spannte den Fokus von der Urgeschichte bis in die Gegenwart der Zwischenkriegszeit. Neben regionalen Entwicklungen wurden auch globale Zusammenhänge dargestellt.
Link zum Bildstatistischen Elementarwerk in der Digitalen Bibliothek der Wienbibliothek
Postkarte des Sparkassenhauses, um 1925
In diesem Haus der Zentralsparkasse an der Ecke Sparkassaplatz und Ullmannstraße befand sich von 1927 bis 1934 das Büro des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums.
Neurath in seiner Geschäftsstelle besucht. Mit ihm in die Ausstellung, er zeigt seine statistischen Tafeln.
Carnap-Tagebuch, 21.5.1927
Otto Neurath, um 1945
Otto and Marie Neurath Isotype Collection, University of Reading
Sie kennen nicht den Neurath? Neurath ist der witzigste Mann von Wien.
Marcel Natkin
Grafiker:innen des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums, um 1930
Das Grafikteam des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum arbeitete auf Basis der von Neurath mit Gerd Arntz (oberes Bild) und Marie Reidemeister entwickelten „Wiener Methode der Bildstatistik“.
Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, Konvolut "Das Team des GWM bei der Arbeit"
Unser Denken ist ein Werkzeug, es ist abhängig von sozialen und geschichtlichen Verhältnissen. Man sollte das nie vergessen. […] Unser heutiges Denken stellen wir früherem Denken gegenüber, aber wir haben keine Möglichkeit, von einem Punkte außerhalb über beide abzuurteilen.
Otto Neurath
Brief von Bert Brecht an Otto Neurath, Sommer 1933
Der zur Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland gezwungene Bert Brecht bot Otto Neurath eine Zusammenarbeit im Exil an.
Copyright: Suhrkamp Verlag
Vom Orbis pictus des Comenius führt eine fortlaufende Entwicklung zur modernen Bildpädagogik. Ein Bild, das nach den Regeln der Wiener Methode hergestellt ist, zeigt auf den ersten Blick das Wichtigste am Gegenstand; offensichtliche Unterschiede müssen sofort ins Auge fallen.
Otto Neurath








