Palais Epstein
Wien Museum, Inv.-Nr. 78079/168
Zwischen der sozialdemokratischen Schulreformbewegung Otto Glöckels und dem Wiener Kreis gab es zahlreiche inhaltliche und personelle Verbindungen. Demokratisierung des Schulwesens, Gesamtschule und Unterricht auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse waren die gemeinsamen Ziele.
Sie sollten durch eine Verbindung von Universität, Lehrer:innenausbildung und Schulpraxis erreicht werden. Hans Hahn arbeitete als Mitglied des Stadtschulrats aktiv an der Reform mit, Edgar Zilsel und weitere Mitglieder des Wiener Kreises waren als Lehrer tätig wie auch Karl Popper. Ein zentraler Ort der Bildungsreform war das Palais Epstein am Ring: Hier hatte der Stadtschulrat seinen Sitz, bis 1926 auch das Pädagogische Institut der Stadt Wien – und bis 1934 das Psychologische Institut der Universität Wien mit den Professuren von Karl und Charlotte Bühler.
Karl Bühler (1879–1963), um 1930
Karl Bühler hatte von 1922 bis 1938 einen Lehrstuhl für Psychologie inne, Charlotte Bühler war von 1927 bis 1938 a.o. Professorin für Psychologie: Ihre Arbeiten waren ein herausragendes Beispiel der Verknüpfung von universitärer Wissenschaft und Schule. Das Psychologische Institut der Universität war unmittelbar in die Schulreformbewegung eingebunden, inhaltlich und personell stark mit dem Pädagogischen Institut der Stadt Wien verknüpft.
Archiv der Universität Wien, Signatur: AT-UAW, 106.I.402
So 9 Nachmittags bei Bühlers, Tee auf der Veranda; auch Hahn da, die Reichspost hat ihn wegen seines Vortrags im Machverein angegriffen und auf meinen Vortrag am 14. hingewiesen.
Carnap-Tagebuch, 9.6.1929
Plakat des Reichsverbands Sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen zur Nationalratswahl 1920
Hans Hahn, „Lehr- und Lernfreiheit an den Hochschulen“
Als Vertreter der Vereinigung sozialistischer Hochschullehrer spricht sich Hahn unter anderem für die Abschaffung von Studiengebühren aus, gegen die Trennung von Wissenschaft und Berufsausbildung und für eine verbesserte pädagogische Ausbildung beim Lehramtsstudium.
WBR, B-51015
Otto Glöckel, „Das Tor der Zukunft“, Wien, Selbstverlag 1916
Glöckel war als (kurzzeitiger) Unterstaatssekretär für Unterricht und von 1922 bis Februar 1934 als geschäftsführender Präsident des Wiener Stadtschulrates ein wesentlicher Proponent der Schulreformbewegung.
Hörsaal des Pädagogischen Instituts in der Burggasse 14–16, 1962
1926 übersiedelte das Pädagogische Institut der Stadt Wien in die Burggasse im 7. Bezirk, wo größere Hörsäle und modernere Einrichtungen zur Verfügung standen.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, 3.3.4.FC.70000/5035
Ankündigung eines Vortrags von Otto Neurath am Pädagogischen Institut
Der Hörsaal des Pädagogischen Instituts in der Burggasse 14–16 wurde vom Verein Ernst Mach häufig für Vorträge genutzt.
WBR, F-24603
Vortrag Neurath (Machverein) im Pädagogischen Institut: "Einheitswissenschaft und Marxismus"; lang, aber gut, Verschiedenes interessant.
Carnap-Tagebuch, 4.2.1933
Ich war nie Mitglied des Wiener Kreises, es ist aber ebenso ein Irrtum, wenn man annimmt, daß ich deshalb nicht Mitglied des Wiener Kreises war, weil ich gegen den Wiener Kreis war. Das stimmt auch nicht. Ich wäre sehr gern ein Mitglied des Wiener Kreises geworden. Tatsache ist einfach, daß Schlick mich nicht eingeladen hat, an dem Seminar teilzunehmen. Das war nämlich die Form, in der man Mitglied des Wiener Kreises wurde.
Karl Popper, 1982






